Verständnis als Schlüssel

Behutsam dreht der Assistent den Kopf von Herrn Scholz etwas weiter nach rechts. »So, jetzt ist die andere Wange dran«, sagt er und setzt den Nassrasierer vorsichtig an. Herr Scholz leidet unter einer Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer schwerwiegenden fortschreitenden Erkrankung des motorischen Nervensystems. Er hat das Feingefühl in Armen und Fingern verloren und seine Beinmuskulatur ist so geschwächt, dass er sich nur mit Hilfe eines Rollstuhls fortbewegen kann. Aufgrund einer Dysphagie kann er Nahrung nicht mehr problemlos aufnehmen. Weil der 55-Jährige gelernte Chemiker auch Schwierigkeiten hat, klar und deutlich zu sprechen, hat sein Assistent Martin Weber ein Zeichensystem ausgeklügelt, das die Kommunikation zwischen ihnen erleichtert. Herr Scholz ist bei der Körperpflege auf Hilfe angewiesen und wird wegen seiner Schluckstörungen und dem damit einhergehenden Gewichtsverlust sowie der Austrocknungsgefahr teilweise über eine Ernährungssonde versorgt. Aufgrund seiner geschwächten Atemmuskulatur wird Herr Scholz für 8 Stunden am Tag unterstützend über eine Maske beatmet. Begleitet wird er rund um die Uhr. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass nicht nur die pflegerische Kompetenz und die medizinische Expertise des betreuenden Teams stimmen, sondern auch das menschliche Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Kunde.   

Im Rahmen der Häusliche Intensivpflege betreuen wir Menschen mit schweren Erkrankungen, welche eine behandlungspflegerische Versorgung durch medizinisch ausgebildetes Personal notwendig machen – im Extremfall wie in unserem Beispiel 24 Stunden am Tag. Wir übernehmen die Grund- und Behandlungspflege, organisieren Hilfsmittel, begleiten zu Arztbesuchen und arbeiten mit Therapeuten der verschiedensten Disziplinen sowie den Angehörigen des betreuten Patienten eng zusammen. Dabei stehen für uns die weitestmögliche Selbstbestimmung und Selbstständigkeit des Betreuten sowie die Wahrung seiner häuslichen Intimsphäre im Vordergrund.